Konsumverzicht steigert die Lebensqualität

Seit dem 5. Mai 2022 hungern wir. Da merken Sie nichts von? Und doch wäre es so, wenn alle Menschen auf der Erde so viele Ressourcen verbrauchen würden, wie wir Deutschen. Am so genannten Overshoot Day für Deutschland wären dann alle nachwachsenden Ressourcen aufgebraucht. Wenn alle so leben würden wie wir, bräuchten wir drei Erden. Wenn alle so leben würden wie die Menschen in den USA, bräuchten wir fünf davon. Als Jamaikaner kämen wir, ganz knapp, mit einer aus.

Von den nicht erneuerbaren Ressourcen wie Erdöl, Gas, seltene Erden, Sand für die Bauindustrie etc. sprechen wir hier übrigens noch gar nicht. Das ist eine ernüchternde Bilanz. Aber Sie können diese Bilanz verbessern – und dabei gleichzeitig Ihre Lebensqualität steigern.

Weniger konsumieren, mehr genießen

Denn es geht mir hier nicht darum, ein Horrorszenario zu entwickeln oder Ihnen mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Worauf ich Sie hinweisen möchte, ist: Der Overshootday sagt etwas über unseren Lebensstil aus. Und wenn es unser Lebensstil ist, der die weltweiten Ressourcen im Schnelldurchgang verbraucht, dann können wir auch etwas tun. Jeder einzelne. Wir müssen – nur – unser Konsumverhalten ändern. Das heißt in vielen Fällen: Sie müssen bereit sein, auf Dinge zu verzichten, die Sie vielleicht für selbstverständlich halten: Müssen wir wirklich jedes Jahr einmal oder sogar dreimal mit dem Flugzeug in den Urlaub? Auch ich reise für mein Leben gern. Reisen erweitert den Horizont. Aber um durchzuschnaufen und die Akkus aufzuladen reicht mir auch der Schwarzwald, es müssen nicht jedesmal die Malediven sein. Und ein Urlaub auf dem Rad oder auf Wandertour ist in meinen Augen kein Verzicht auf Lebensqualität – im Gegenteil.

Bewusster konsumieren, schöner leben

Ein anderer Vorschlag, auf etwas zu verzichten, ohne Verzicht zu üben: Kaufen Sie frisches Gemüse und Salat auf dem Wochenendmarkt. Für mich ist allein schon das Schlendern zwischen den Ständen jeden Samstagmorgen ein Gewinn an Lebensqualität. Und der Salat dort ist deutlich frischer, leckerer, hat einen höheren Energiewert – und ist unverpackt. Sie produzieren beim Einkaufen auf dem Markt keinen Plastikmüll. Gut, Sie müssen ihn selbst waschen und verlesen. Aber dabei entwickeln Sie auch ganz von selbst ein viel besseres Bewusstsein für das Produkt, als wenn Sie es nur fertig vorbereitet aus der Plastiktüte in die Salatschüssel geben.

Beim Einkauf auf dem Markt oder in Hofläden wird Ihnen auch viel bewusster, woher unsere Lebensmittel eigentlich kommen und wie sie produziert werden, was es zu welcher Jahreszeit gibt oder nicht gibt, wie unterschiedlich Karotten im Frühjahr, im Sommer oder im Winter schmecken.

Und wenn Sie regional und unverpackt einkaufen, schonen Sie nicht nur die Umwelt (indem Sie Abfall aber auch CO2 durch die kürzeren Transportwege einsparen): Sie werden auch ganz schnell feststellen, wie viel leckerer diese Produkte sind als die aus dem Supermarktregal. Ja, diese Produkte sind etwas teurer, aber dadurch kaufen Sie auch bewusster ein und schmeißen weniger weg. Auch das ist ein Gewinn an Lebensqualität, denn mir persönlich tut es jedesmal weh, wenn ich ein Lebensmittel wegwerfen muss, bloß weil ich zu viel davon eingekauft habe.

Heike Hundertmark

Vorheriger Beitrag
Warum die CO2–Bilanz ein „neues“ Denken und Arbeiten bedeutet

Bleiben Sie uns verbunden!

Wir benachrichtigen Sie per E-Mail über neue Beiträge in unserem Blog:


Loading

Menü